Von Mutanten, Menschen und Membranen

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Katharina Schütz (hinten rechts) nahm in diesem Jahr an der Schülerakademie teil.

Dreieinhalb Wochen geballter Wissenschaft im XLAB ISC 2011

Vom 19. Juni bis zum 12. Juli 2011 fand in Göttingen das XLAB International Science Camp Juni 2011 statt. So weit, so gut - doch worum handelt es sich dabei eigentlich?

Kurz gesagt: Das XLAB ist eine mit der Georg-August-Universität Göttingen kooperierende Einrichtung, die interessierten jungen Menschen, Schulklassen sowie Studentengruppen intensive Kurse in vorwiegend naturwissenschaftlichen Bereichen bietet. Die Schüler erhalten einen umfassenden sowohl theoretischen als auch praktischen Einblick in das jeweilige Sachgebiet und werden von kompetenten Fachkräften rundum betreut.
So trocken das auch klingen mag, das genaue Gegenteil war der Fall - wir hatten eine Menge Spaß und eine tolle Zeit; doch ich sollte meinen Bericht lieber von vorne beginnen:

Nach einer langen Odyssee zum Göttinger Bahnhof wurde ich auch schon mit dem X-Van abgeholt und zu unserem Hotel gebracht. Nach und nach tummelten sich immer mehr von uns im social room, und es ergaben sich erste vorsichtige Gespräche bei und über Schachpartien. Schließlich, bei rund 21 Schülerinnen und Schülern, ebbte die Flut der einströmenden Menschen ab. Unsere durchgehend internationale Gruppe bestand aus Teilnehmern aus aller Welt, genauer gesagt aus Korea, Spanien, Kroatien, Singapur, der Türkei, Serbien, Kolumbien, Japan und Deutschland. Unsere gemeinsame Alltagssprache, Englisch, erwies sich dabei als absolut unproblematisch.

Apropos Alltag – dieser gestaltete sich in der Regel folgendermaßen: Nach dem Frühstück um 9 Uhr fuhren wir mit dem Bus zum XLAB und fanden uns in den entsprechenden Lehrräumen ein. Unsere Kurse dauerten, unterbrochen von einer einstündigen Mensapause, bis 17 Uhr. Im Anschluss  unternahmen wir gemeinsame Ausflüge wie zum Beispiel auf eine nahegelegene Burganlage, oder wir besuchten Seminare an der Universität und den umliegenden Instituten, in denen uns verschiedene Themen und Studienfächer nahegebracht wurden. So hatten wir in der dritten Woche übrigens die Gelegenheit, den Nobelpreisträger Prof. Erwin Neher zu treffen, der 1991 die Patch-Clamp-Technik zum Messen von Ionenströmen einzelner Kanäle in der Zellwand entwickelte. Doch die Freizeit kam keineswegs zu kurz, denn an den Wochenenden gab es immer einen freien Tag, den wir in der Göttinger Innenstadt - oder wie in der zweiten Woche mit einer Stadtrally durch Hannover - verbringen konnten. Jeder Tag endete schließlich mit einem (meist italienischen) Abendessen.

An Kursen fanden zwei bis drei pro Woche parallel statt. In der ersten waren diese Analytical Chemistry und Developmental Biology, wobei meine Wahl auf letzteren Kurs gefallen war.
Schon beim ersten Betreten des Seminarraumes verriet ein Poster: Unser Modellorganismus würde die Fruchtfliege Drosophila melanogaster sein.
Zunächst wurden uns neben der Fliege selbst einige interessante Mutationen vorgestellt, bevor wir mit der praktische Arbeit begannen. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass so gut wie alle aus dieser Gruppe bereits in einem Labor gearbeitet hatten, ja sogar ihre Schulen mit einem solchen ausgestattet waren. So gab es während dieser Woche für mich reichlich spannende, neue Erfahrungen, beginnend bei den Grundlagen klassischer Laborarbeit über die Sachthematik der embryonalen Entwicklung bis hin zu Methoden des Klonens und Visualisierens bestimmter Gene. Ein recht straffer, doch abwechslungsreicher Zeitplan sorgte zusätzlich dafür, dass man stetig im Schwung blieb und es immer etwas zu tun gab.

In der zweiten Woche beschäftigten wir uns entweder mit Neurology oder mit Radiation In Life Science. Diesmal gehörte ich ersterer Gruppe an, und hatte das Glück, schon einige Vorkenntnisse aus dem Schulunterricht zu haben, die ich dort vertiefen konnte.Hauptsächlich untersuchten wir die elektrischen Membranpotenziale verschiedener Zellen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Immer wieder brach eine der hauchdünnen Glasnadeln ab, oder die Zelle erzeugte schlicht kein Signal (mehr). Tatsächlich war die Freude groß, als das erste Team einen Ausschlag des Graphen beobachten und die Aktionspotenziale live miterleben konnte.

Schließlich gab es in der dritten Woche drei Kurse, Freshwater Ecology, The Physics of Flying und – woran ich teilnahm – Anatomy.

In klar strukturierten Theorie- und Praxisphasen nahmen wir uns hierbei täglich ein anderes Schweineorgan vor. Gerade waren wir noch froh gewesen, dass wir nicht wie die Frischwasserfreunde barfuß durch Gewässer waten würden, aber mit dem teilweise recht strengen Geruch der Innereien – speziell des Magen(inhalt)s – hatten wir auch nicht gerechnet. Nicht schlecht staunten wir ebenfalls, als wir es schließlich mit einem halben Schweinekopf zum Thema Gehirn zu tun bekamen. Eine gehörige Portion Latein zum Benennen der Arterien, Venen, Nervenbahnen, Muskeln, Organpartien usw. durfte natürlich auch nicht fehlen. Alles in allem gewannen wir einen umfassenden und äußerst einprägsamen Einblick in den Bereich der Anatomie, der sich wohl nur schwer mit einem Lehrbuch erzielen ließe.

An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass alle Kurse ihre Arbeitsschritte und Ergebnisse den jeweils anderen mithilfe von Powerpoint-Präsentationen vorstellten, sodass jeder Teilnehmer mindestens einmal vor allen referierte. Dies fiel allerdings nicht schwer, da die meisten zuvor bereits ihre Heimat und sich selbst mit einer Reihe von Fotos der gesamten Gruppe vorgestellt hatten.

Einen gelungenen Abschluss bildete schließlich ein gemeinsamer Trip nach Berlin.
Mein Fazit: Neben den vielen neuen Eindrücken und der Wissenserweiterung empfand ich es als den größten Gewinn, fast einen Monat lang in einer internationalen Gruppe zusammenzuleben und sich so wunderbar zu verstehen. Ich habe viele tolle Menschen aus aller Welt kennen gelernt, und bin darauf bedacht, den Kontakt auch in Zukunft zu halten.

Ich würde jedem interessierten Schüler die Teilnahme am XLAB International Science Camp wärmstens empfehlen – ein solches Erlebnis möchte ich nicht missen.

Katharina Schütz, MSS 13 (August 2011)