Termine
Login
Schnitt ins Fleisch (Xavier Durranger) oder Abfahrt Hilda-Gymnasium 15. 00 Uhr
"Ein absolut einmaliger Hauptdarsteller!" "Ich konnte das Problem zwischen der Mutter und der Tochter so gut nachempfinden. Meine Mutter meint es auch immer nur gut mit mir. Und ich bin dann so genervt." "Wenn ich mit meiner Oma ins Theater gehe, dann ist das immer so langweilig. Aber hier, das war ja wie im richtigen Leben!" So und ähnlich kommentierten einige der 40 Teilnehmer der letzten Theaterfahrt aus den Klassen 9-12 des Hilda-Gymnasiums ihr Theatererlebnis, das für viele das erste überhaupt war.
Abfahrt: Hilda-Gymnasium 15. 00 Uhr, Rückkehr Hilda-Gymnasium 0.00 Uhr ... . Und das an einem Donnerstag. Aber auch dies schreckte keinen ab. Was Walburg Schwenke, die Theaterpädagogin im Rahmen des Jugendclubs des Staatstheaters Mainz nämlich mit ausgewählten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 17 und 27 Jahren, die alle keine Profi-Schauspieler sind, da auf die Beine gestellt hat, war in der Tat umwerfend. Sie war es auch, die uns vor der Vorstellung in das Stück und den Autor einführte. Angekündigt wird es wie folgt.
Slim hat seinen Job verloren und damit ein Stück Selbstwertgefühl. Seine Kumpels trösten ihn nicht nur mit Bier und guten Worten, sondern schenken ihm zum Abschied die Pistole, von der er immer geträumt hat, und verordnen dem in Sachen Frauen Unerfahrenen zur Aufheiterung ein Rendezvous mit einem schönen Mädchen. Joseph, allzeit cooler Frauenheld, hat die zündende Idee: Lisa, seine "Ex", und eine Wette. 1000 Euro setzt er darauf, dass Slim Lisa nie und nimmer "flachlegt". Bonzo, der von einer Boxer-Karriere träumt, setzt dagegen. Er und Slims "bester Freund" Max schicken den Ahnungslosen ins Rennen. Und so ist endlich wieder mal was los in der grauen Vorortöde, wo sonst nichts Spannendes passiert. Dass sie dabei einen Menschen aus purer Unterhaltungslust zu ihrer Marionette umfunktionieren, scheint niemanden in der Clique zu stören. Bis Slim sich entschließt, das Glück, das er in diesem perfiden Spiel erfahren hat, mit allen Mitteln festzuhalten...
Ausgerechnet Betttücher dominieren das Bühnenbild, aber wie multifunktional und außerordentlich anregend eingesetzt! Und das Ende? Ergreifend ! Und traurig . Man wird an Erfurt und an amerikanische Amokläufer erinnert. Menschen ohne Hoffnung, mit denen die Schüler vom Hilda-Gymnasium sich auf eine Art auseinander setzten, die doch sehr beeindruckend war.
Und ganz am Ende, nach dem Gespräch mit den Schauspielern, die ja keine Profis waren, ließen sich vor allem die männlichen Schauspieler auf Wunsche gerne und ganz "Profi-like" ... mit netten Schülerinnen vom Hilda-Gymnasium ablichten. Und somit waren alle reichlich belohnt für die Mühe, die Zeit, das Geld und nicht zuletzt die Disziplin (!), die sie für die letzte Theaterfahrt für dieses Schuljahr investiert hatten. Dankeschön! Und danke auch an der Förderverein der Schule, der diese Fahrten mit unterstützt.
Ursula Hartmüller