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"Andorra" begeisterte Jung und Alt!
Eine zunächst sehr schlicht wirkende Inszenierung des Dramas „Andorra“ von Max Frisch entwickelte sich im Laufe des Abends zu einem tollen Theaterstück, welches nicht nur die jungen Zuschauer begeisterte.
Der erste Eindruck war etwas ungewohnt, da das gesamte Bühnenbild, welches während der gesamten Aufführung nicht verändert wurde, in einem einheitlichen weiß-grauen Farbton gehalten wurde. Es weckte sofort ein eher trauriges Gefühl beim Zuschauer, doch das änderte sich, auch durch die farbigen Kostüme der Schauspieler, im Laufe des Stücks. Insgesamt durchlebte man allerdings ein wahres Gefühlschaos während der Inszenierung, da teilweise gelacht wurde, teilweise aber auch nachgedacht werden musste.
Wegen der schauspielerischen
Leistung der Darsteller wurde es aber nie langweilig, sondern blieb
immer spannend. Die Schauspieler selbst machten einen sehr souveränen
Eindruck. Vor allem Andri war es , der die Zuschauer in seinen Bann zog,
was aber sicherlich auch mit seinen Lebensumständen in „Andorra“ zu tun
hatte.
Geprägt wurde das Spiel auf der Bühne auch durch das
quaderförmige Bühnenbild, dessen Wände zunächst noch grau waren, die
aber im Laufe des Stücks von Barblin „geweißelt“ wurden. Die Vorderseite
des Quaders zum Zuschauerraum hin war offen. An den Wänden entlang
waren Bänke angebracht, die im Farbton der Wände gehalten waren, sodass
alles wie ein großes Fundament wirkte. Viel mehr gab es in Sachen
Bühnenbild nicht zu sehen, da dieses in der beschriebenen Weise das
ganze Stück hindurch präsent war und nicht verändert wurde. Mit diesem
Bühnenbild wurden sowohl Szenen im Freien, als auch Szenen im Haus
dargestellt, sodass der Zuschauer dazu gezwungen wurde, darüber
nachzudenken, wo genau die jeweilige Szene jetzt spielt. Türen, Fenster
oder Sonstiges waren überhaupt nicht vorhanden.
Die Schauspieler, die nicht zur gespielten Szene gehörten, saßen immer parallel zum Publikum an der am weitesten entfernten Wand, während die aktiven Schauspieler in den Vordergrund traten, und damit u.a. verdeutlichten, wer alles zu der jeweiligen Szene gehört. Etwas störend waren die restlichen Darsteller im Hintergrund dann schon, vor allem die Senora, die nach ihrem „Tod“ immer noch auf der Bank saß. Der Zuschauer konnte sich aber eine unsichtbare Trennwand vor den übrigen Akteuren denken, denn eine Abtrennung wurde durchaus suggeriert.
Die Beleuchtung
der Bühne blieb während der gesamten Inszenierung gleich, sodass das
Licht keine unterschiedlichen Stimmungen erzeugen konnte. Letzteres war
somit die Aufgabe der Schauspieler. Insgesamt wurden aber alle Teile der
Bühne gleichmäßig hell beleuchtet, da der Zuschauer einen guten Blick
auf jeden Teil der Bühne haben sollte, fast wie in einem Labor.
Abgerundet
wurde das Gesamtbild durch die sparsam eingesetzten Requisiten. Die
wenigen, die wirklich ins Bühnenbild eingebaut wurden, erzeugten eine
große Wirkung, da sie gezielt verwendet wurden und so eine Atmosphäre
entstehen ließen, die zur jeweiligen Szene passte, wie z.B. die beiden
Stühle in der Szene, in der Andris Stuhl bewertet und mit dem des
anderen Gesellen verglichen wird. Eine Art Hauptrequisit stellte der
Farbeimer inklusive Farbrolle dar, mit der Barblin das ganze Stück über
die drei Wände weißelt.
Matthias Fontheim, der Regisseur des
Theaterstücks, verzichtete bewusst auf überflüssige Requisiten oder auch
zusätzliche Details, die das Bühnenbild ausmachen könnten, um das
Modellhafte des Stücks zu erhalten. Dies ist ihm in besonderer Weise
gelungen. Die Zuschauer sollen erkennen, dass das Thema des Dramas auch
ein aktuelles in unserer Gesellschaft ist, und nicht Schnee von gestern.
Abschließend stellen sich dem Zuschauer aber doch noch einige Fragen: Welche Bedeutung haben die Farben der Kleidung der Darsteller? Weshalb blieb die „tote“ Senora auf der Bühne? Warum schneidet sich Barblin kurz vor dem Ende die Haare ab? Es gibt mit Sicherheit noch weitere Fragen, die man den Theaterleuten stellen könnte, doch hiermit sollen nur wenige genannt sein.
Insgesamt war es aber eine gelungene Inszenierung, die zum Nachdenken anregte und dem Zuschauer u.a. etwas näher brachte, wie es ist, ein Außenseiter in der Gesellschaft zu sein.
Christoph Krämer Kurs Darstellendes Spiel (MSS 12)