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Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm…

Warum schwimmen Schiffe? Müssen Fische trinken? Was haben Kraken und Vögel gemeinsam? Und warum können volle Wasserflaschen platzen, wenn ich sie im Winter im Auto vergesse? Fragen über Fragen, denen wir im Fach Naturwissenschaften (NaWi) auf den Grund gehen – und wenn möglich so hautnah wie möglich: So können die Schülerinnnen und Schüler zum Beispiel „als Gasteilchen“ durch den Raum flitzen, winzigen Pantoffeltierchen unter dem Mikroskop beim Fressen zusehen oder in einer Sternwarte in die Geheimnisse des Weltraums eintauchen.

Problemlos war die Einführung des Faches Naturwissenschaften im Schuljahr 2008/2009 aber  nicht. Es gab noch keinen fertigen Lehrplan und daher auch kein genehmigtes Schulbuch. Eine Herausforderung, mit der wir aber nicht alleingelassen wurden. Zahlreiche Fortbildungen gaben erste Hilfestellungen und förderten den kollegialen Austausch auch über die eigene Schulpforte hinaus. Außerdem zeigten sich die Verlage großzügig und stellten uns kostenlos und unkompliziert Themenhefte zur Verfügung. So konnten wir gemeinsam alle Hürden elegant überspringen.

Zu Redaktionsschluss liegt nun etwas mehr als ein Jahr NaWi-Erfahrung hinter uns. Für viele Eltern, Schüler  und fachfremde Lehrer ist NaWi aber noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Deshalb möchte ich im Folgenden ein paar der häufigsten Fragen klären und auch ein paar Schüler der ersten „NaWi-Generation“ zu Wort kommen lassen.
(Bei weiteren Fragen rund um NaWi bitte melden bei: preidl@hilda-gymnasium.de.)

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In welchen Klassenstufen wird NaWi unterrichtet?

NaWi wird in der 5. und 6. Klasse unterrichtet. Es ersetzt hier die ehemaligen Fächer Biologie und Physik/Chemie (PC). In Klasse 7 steht dann Biologie auf dem Stundenplan, in der 8. Klasse haben die Schüler alle 3 Naturwissenschaften getrennt voneinander, bevor in der 9. Klasse Biologie entfällt und erst in der 10. Klasse wieder hinzukommt.

In NaWi werden also drei Fächer – Biologie, Chemie und Physik - integriert unterrichtet. Gymnasiallehrer studieren aber in der Regel nur zwei Fächer. Welche Lehrkräfte kann man  für NaWi einsetzten? Und haben diese genug Fachwissen?

Ja, denn alle Lehrerinnen und Lehrer, die das Fach Naturwissenschaften unterrichten, sind in mindestens einem der Fächer – meist sogar in zweien - ausgebildet. Ein Fach muss in der Regel fachfremd unterrichtet werden. Dies ist allerdings kein neues Problem, sondern traf auch auf den PC-Unterricht zu: Dieser wurde häufig von Biologie/Chemie-Lehrern erteilt und der Physikanteil fachfremd ergänzt. 
Am Hilda war und ist fachübergreifendes Unterrichten gar kein Problem, denn bei uns greifen sich die Kollegen über Fächergrenzen hinweg unter die Arme. Außerdem gab und gibt es etliche NaWi-Fortbildungen, die natürlich auch von uns zahlreich besucht werden. Die neu gewonnenen Erkenntnisse werden in den Fachkonferenzen an die Kollegen weitergegeben.

Wie viele Stunden pro Woche wird NaWi unterrichtet?

In der 5. Klasse stehen vier Stunden pro Woche zur Verfügung, damit wurden die naturwissenschaftlichen Fächer um eine Stunde aufgestockt. Leider sind es in der 6. Klasse nur noch drei Stunden pro Woche.

Gehört NaWi damit zu den Hauptfächern?

NaWi ist "positiv versetzungsrelevant", das  heißt, eine Fünf im Hauptfach kann durch eine drei in NaWi ausgeglichen werden. Das "volle Hauptfach" konnte politisch leider nicht durchgesetzt werden.

Welche Themen werden in NaWi behandelt?

Acht Themenfelder – vier pro Schuljahr – sind vorgesehen:

  • Von den Sinnen zum Messen
  • Vom ganz Kleinen und ganz Großen
  • Bewegung zu Lande, zu Wasser und in der Luft
  • Pflanzen - Tiere - Lebensräume
  • Sonne - Wetter - Jahreszeiten
  • Geräte und Maschinen im Alltag
  • Stoffe im Alltag
  • Körper und Gesundheit

Und wo sind die bisherigen Themen wie zum Beispiel „Fische“, „Vögel“, „Blütenpflanzen“?

Diese werden immer noch behandelt, aber nicht im Rahmen der klassischen Fachsystematik. NaWi ist kontextorientiert: Zum Beispiel kann der Fisch in mehreren Themenfeldern angesprochen werden: Die Sinne des Fisches, die Anpassungen des Fisches an die Bewegung im Wasser, die Bedeutung der Fische im Ökosystem See und den entsprechenden Nahrungsnetzen, …

Das ist wirklich eine neue und somit für viele wohl noch eine ungewohnte  Herangehensweise: Vom Phänomen zum Fachinhalt. Welche zentralen Gedanken sind in Bezug auf die Konzeption von NaWi außerdem noch besonders erwähnenswert?

Am Anfang jeder Unterrichtseinheit stehen die Alltagsfragen der Schülerinnen und Schüler, denen dann - ausgehend von ihren Vorkenntnissen und Erfahrungen – im Unterrichtsverlauf vertiefend nachgegangen wird. Dabei steht die Kompetenzorientierung ("Handelnder Umgang mit Wissen") im Zentrum. Die Schüler stellen Lernprodukte her. Damit sind nicht nur Modelle, Poster, Zeichnungen, Bildergeschichten, Hörbeiträge, Collagen, Fotos oder Texte gemeint, sondern auch Vorträge oder Versuchsprotokolle. Sie lernen Experimente zu planen, durchzuführen, den Verlauf aufmerksam zu verfolgen und ihre  Beobachtungen zu deuten. Bei der Recherche für Referate spielt die Auswahl seriöser Quellen  eine entscheidende Rolle. Außerdem lernen sie Graphiken und Abbildungen zu beschreiben und auszuwerten, Ergebnisse anschaulich zu präsentieren, sich im Gespräch fachgerecht auszutauchen und vieles mehr. Die Abwechslung ist groß.

Natürlich passieren dabei auch Fehler – zum Glück, denn aus Fehlern lässt sich wunderbar lernen! Das ist wissenschaftlich bewiesen. Wenn das vorhandene Wissen nicht ausreicht, um ein vorhandenes Problem zu lösen, dann beginnt das Gehirn fast von alleine auf Hochtouren zu arbeiten.

Vorhandenes Wissen wird immer wieder fachübergreifend auf neue Fragestellungen übertragen, um naturwissenschaftliche Grundprinzipien deutlich werden zu lassen: So findet Diffusion zum Beispiel nicht nur bei der Atmung in den Lungenbläschen, sondern auch bei der Herstellung eines Mixgetränkes statt.

Schritt für Schritt kommen die Schülerinnen und Schüler den Geheimnissen und Zusammenhängen der Natur auf die Spur. Uns Lehrkräften liegt es sehr am Herzen, die Neugier der Schüler wach zu halten bzw. zu wecken. Die Kinder und Jugendlichen werden animiert  aufmerksam mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und aufgeweckte Fragen zu stellen – denn nur „wer nicht fragt bleibt dumm.“

Cornelia Preidl

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